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Thesaurus Musicarum Germanicarum

Das Projekt Thesaurus Musicarum Germanicarum (TMG) untersucht die deutsche Musiktheorie zwischen Conrad von Zabern (1474) und Athanasius Kircher (1650) unter den Aspekten der Geschichte, der Entwicklung und der Formalisierung der musikalischen Sprache. Diese Quellen nehmen eine Schlüsselposition für das Verständnis der abendländischen Musik ein. Sie liefern einen bevorzugten Zugang zum musikalischen Wissen jener Zeit und spiegeln die zunehmende Rezeption des humanistischen Gedankengutes wieder, das im 17. Jahrhundert zu einer tiefgreifenden Veränderung der abendländischen Musik führt.

Die elektronische Edition musiktheoretischer Schriften wurde seit den 90er Jahren durch Projekte zu lateinischen, italienischen, englischen, französischen und spanischen Quellen initiiert. Die Quellen aus dem deutschen Sprachraum nehmen jedoch aufgrund ihrer theoretischen, linguistischen und typographischen Komplexität in diesem Editionsprozess eine Sonderstellung ein und entzogen sich bislang einer systematischen Auswertung mit den im Zeitalter der Informatik zur Verfügung stehenden Mitteln.

TMG schließt diese Lücke durch eine internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Musikwissenschaftlern, Forschern im Bereich der Digital Humanities, Historikern (der Gesellschaften, der Philosophie und der Wissenschaften), Philologen und Bibliothekaren. Dabei sollen drei Ziele erreicht werden:      

1. Volltextzugang zu den Quellen: Der Status der Quellen aus dem deutschen Kulturraum ist zum Teil durch die Antiqua- und Frakturschrifttypen bedingt, die sich der optischen Texterkennung entziehen. TMG greift auf ein Double-Key-Erfassungsverfahren mit informatischer Nachbereitung der Texte, Musikbeispiele und Tabellen zurück. Auf diesem Wege werden hochwertige elektronische XML/TEI-Editionen erzielt, die den Standards der wissenschaftlichen Edition entsprechen (99,95% Trefferquote) und, die in mehreren Editionsschichten die Informationen des Originals (typographische Varianten, Interpunktion, Abkürzungen) mit einer modernen Edition verbinden. 

2. Informatische Tools zur Erschließung der Quellen: TMG greift auf die Editionsmethodologie des Projektes TréMir zurück und sammelt verschiedene Texteinheiten in Indizes, die mit editorischen Notizen und ggf. Verweisen auf externe Datenbanken (Europeana, Grove, TGN usw.) versehen werden. Der Index Generalis führt die gesamten in der Quelle erscheinenden Personen, Werke und Orte auf und liefert einschlägige Informationen zu den geographischen, chronologischen, kulturellen und intellektuellen Einheiten. Diese Informationen werden durch den Index Exempla vervollständigt, der die identifizierten Zitate und Paraphrasen sammelt und mit dem Index Generalis die Basis für die Untersuchung des Wissenstransfers, der zitierten Autoritäten und der intertextuellen Netzwerke bildet.     

3. Beitrag zur inhaltlichen Erschließung der Quellen: Ein Thesaurus sammelt die in den Quellen vorkommenden musikalischen Termini und liefert anhand von statistischen und textanalytischen Tools (TXM) semantische Netzwerke, die den Einstieg in die behandelten Inhalte erleichtern. Der Index bildet zugleich den Ausgangspunkt und den Endpunkt der inhaltlichen Erschließung des Korpus anhand von thematischen Achsen (1. System und Skala, 2. Monophonie, 3. Polyphonie und Kontrapunkt, 4. Instrumentation, Interpretation und Performanz) und systematischen Achsen (1. Edition und Lexikographie, 2. Intertextualität, 3. Pädagogik und 4. Philologie).

Folgende Präsentation verschafft einen Überblick über Herausforderungen, Ziele und methodologische Ansätze.

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